Insekten zieht es in die Stadt

Pestizide und Monokulturen vertreiben Falter, Bienen und ihre Artgenossen vom Land. Kleingärten und Parks in Berlin sind bei Insekten beliebt. Jeder kann zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

Insekten und Vögel fühlen sich mittlerweile in der Stadt oft wohler als auf dem Land. Das mag seltsam klingen, aber Berlin ist bei fliegenden, kriechenden, summenden und brummenden Tierchen beliebter als Brandenburg. Das erklärt Hannes Petrischak von der Hans-Sielmann-Stiftung, einer Organisation, die sich dem Naturschutz verschrieben hat.

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Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten, aber auch Vögel wie etwa Feldsperlinge zieht es in die Stadt. „Berlin ist eine sehr grüne Stadt, es gibt viele Parks und Kleingartenanlagen“, erklärt auch Steidle. Diese werden weniger mit Pestiziden und Dünger behandelt, die Natur ist vielfältiger und nicht auf Ertrag ausgerichtet.

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Die Stadt kann aber nicht die Rettung der Insekten sein, sagt Steffan-Dewenter. Denn auch Gärtner sprühen Gift gegen Schädlinge, der Verkehr schadet den Tieren, die abendliche Beleuchtung irritiert nachtaktive Insekten. Außerdem wird immer mehr gebaut, Brachflächen fallen weg, der Boden wird mit Beton versiegelt.

Von der Politik erwarten sich die Wissenschaftler nun ein Machtwort. Schädlinge könnten auch ohne Pestizide bekämpft werden, erklärt Steffan-Dewenter. Etwa, indem man ihre natürlichen Gegner fördert und Monokulturen reduziert – je mehr es von ihrer präferierten Nahrung gibt, desto größer werden die Schädlingspopulationen. Außerdem sei es „ein Armutszeugnis, dass Deutschland keine langfristigen Beobachtungsprogramme für Biodiversität hat“, sagt Steffan-Dewenter.

Dass es immer weniger Insekten gebe, sei zwar ein diffuses Gefühl gewesen, doch nun gibt es erstmals Zahlen dazu – ehrenamtlich erhoben von Hobby-Insektenkundlern, nicht durch eine Universität oder Forschungseinrichtung. Er fordert Fördermittel vom Bund für zukünftige Studien zu diesem Thema.

Aber auch jeder Einzelne kann etwas tun, um die Artenvielfalt zu erhalten. Wenn man seinen Rasen nicht düngt, keine Pestizide einsetzt, nicht so oft mäht und auch abgeblühte Pflanzen mal stehen lässt, hilft das schon. Auch beim Konsum von Lebensmitteln kann man zu insektenfreundlich hergestellten, ökologischen Produkten greifen, sagen die Forscher.

 

Den ganzen artikel gibt es hier (externer Link zum Tagesspiegel)